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Wo die Uhren schöner ticken

Wo die Uhren schöner ticken
In eintausend Metern Höhe, weitab von den großen Wirtschaftszentren der Schweiz, entstehen in Handarbeit einige der schönsten und teuersten Uhren, die es für Geld zu kaufen gibt. Sie bestechen durch Qualität und Präzision - ebenso wie die Druckerei Baudat, die so gut wie alle berühmten Edelmanufakturen im Vallée de Joux zu ihren Kunden zählt.

Schnee, soweit das Auge reicht: Unaufhörlich fallen dicke Flocken herab, verwandeln geparkte Autos in weiße Halbkugeln und überziehen das gesamte Vallée de Joux mit einem kalten "Zuckerguss". Fast einen halben Meter dick liegt er auf Hausdächern, Bäumen und auf dem zugefrorenen See, der von sanften Hügelketten umgeben ist. Trotzdem sind in diesem Winterparadies nur vereinzelt Touristen zu sehen, die es zum Skifahren hierher gezogen hat. Zwar ist das 1 000 Meter hoch gelegene Tal in der Nähe von Genf durchaus für seine vielen Langlaufloipen bekannt. Berühmt geworden ist es jedoch aus einem ganz anderen Grund: Gleich mehrere der weltweit namhaftesten und bekanntesten Hersteller von Luxusuhren haben hier ihren Hauptsitz. Zusammen mit rund 40 weiteren Manufakturen und Zulieferbetrieben der Uhrenindustrie locken diese Unternehmen Touristen der ganz besonderen Art an: Menschen, die für eine Armbanduhr so viel Geld ausgeben wie andere für einen Traum auf vier Rädern oder für ein repräsentatives Anwesen in guter Lage. Also echte Kenner der Szene, die das Vallée de Joux auch viel lieber bei dem Namen nennen, den ihm der Volksmund vor langer Zeit gegeben hat: das Tal der Uhren.

Wertschöpfungsfaktor Zeit. Der Name ist Programm. Mehr als 6 000 Menschen leben im Vallée de Joux, und etwa 85 Prozent der Beschäftigten verdienen ihr Geld in der Uhrenbranche, die sich innerhalb der letzten zwei Jahrhunderte rund um den Lac de Joux entwickelt hat. Auch Philippe Baudat und sein Sohn Cédric haben der vielleicht schönsten Form, die Zeit zu messen, einiges zu verdanken: Viele Kunden ihrer Druckerei Baudat S.A. in L'Orient sind Uhrenmanufakturen in unmittelbarer Nähe, darunter so klangvolle Namen wie Audemars Piguet, Jaeger-LeCoultre und drei Luxusmarken der Swatch-Group, die hier ihre edelsten Zeitmesser fertigen lässt. Auf gut 40 Prozent schätzt Philippe Baudat den Anteil der Uhrenkunden am Gesamtumsatz. Aber das ist noch nicht alles. "Die Edelmanufakturen stellen höchste Ansprüche an ihre Produkte und erwarten die gleiche Qualität und Präzision auch von ihren Dienstleistern", erklärt der gelernte Schriftsetzer. "Dass wir diesen Ansprüchen genügen, öffnet uns die Türen zu vielen anderen Kunden."

Kontinuierliches Wachstum. Welche Kunden das sein sollen, davon hat Philippe Baudat aufgrund seiner langjährigen Erfahrungen ganz eigene Vorstellungen. Der 66-Jährige steht inzwischen seit 32 Jahren an der Spitze des Unternehmens. 20 Jahre lang war er Geschäftsführer der 1840 gegründeten Druckerei, die vier Generationen lang im Besitz einer Familie namens Dupuis war und Anfang der 90er-Jahre an einen neuen Inhaber aus Fribourg verkauft wurde. 1998 übernahm Philippe Baudat dann selbst die Druckerei und leitet diese seitdem zusammen mit seinem Sohn Cédric, der nach dem Wirtschaftsabitur als Tennislehrer jobbte, zunächt in den USA und anschließend in der Schweiz.

Lange Zeit profitierte der Familienbetrieb vom stetigen Aufstieg der Uhrenindustrie. Aber der Seniorchef lernte auch die Schattenseiten der wirtschaftlichen Monokultur kennen, wie sie im Vallée de Joux seit jeher existiert: Als billige Digitaluhren in den 80er-Jahren den Weltmarkt überschwemmen, erlebt die Schweizer Uhrenindustrie ihre größte Krise und zwingt einige Hersteller im Tal in die Knie. Erst mit dem Siegeszug der Swatch-Uhren - und dem sich anschließenden "Gegen-Trend" zu teureren und vor allem mechanischen Zeitmessern - erholt sich die Branche wieder. Philippe Baudat hat aus der Zeit des Niedergangs seine Lehren gezogen. "Zeitweilig haben wir bis zu 60 Prozent unserer Umsätze mit Kunden aus der Uhrenindustrie erwirtschaftet", erklärt er. "Um das Risiko einer möglichen nächsten Branchenkrise zu mildern, konzentrieren wir uns bei der heutigen Suche nach Neukunden deshalb gezielt auf Unternehmen und Institutionen aus verschiedenen Bereichen im Tal - und darüber hinaus."

Im Jahr 2000 eröffnet das Unternehmen beispielsweise ein Vertriebsbüro in Lausanne mit inzwischen drei Mitarbeitern, das potenzielle Auftraggeber im Norden des Genfer Sees und der Westschweiz angeht. Das Ergebnis der vielfältigen Akquisetätigkeiten ist eine gut gemischte und relativ krisenfeste Kundenstruktur. Heute arbeitet die Druckerei auch für ortsansässige Zulieferbetriebe der Uhrenindustrie, hat darüber hinaus zahlreiche lokale Kleinbetriebe aus anderen Branchen für sich gewonnen und beliefert die Universität sowie das Kantonsspital von Lausanne mit Printmedien. Hinzu kommen verschiedene Gemeinden, Theater und andere Kultureinrichtungen. Sogar eine Fußballmannschaft gehört zur Klientel von Baudat: die Elf von Yverdon-les-Bains. Diese kleineren Kunden machen heute etwa 45 Prozent des Geschäftsvolumens aus. Weitere Einnahmen erzielt die Druckerei mit dem hauseigenen Verlag namens Edition Baudat und dem Mitteilungs- und Anzeigenblatt Feuille d'Avis de la Vallée de Joux, das von der Druckerei seit 1840 jeden Mittwoch in einer Auflage von heute 3 500 Exemplaren herausgegeben wird. Sie steuern die restlichen 15 Prozent zum Gesamtumsatz bei, der seit dem Kauf der Druckerei von drei Millionen Euro auf fünf Millionen Euro pro Jahr gestiegen ist.
Den vollständigen Artikel finden Sie in der Ausgabe 269 der Heidelberg Nachrichten. Das Magazin steht Ihnen als pdf-Dokument über die Download-Box rechts oben zur Verfügung.

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