Schneller, schöner, billiger!
Nach zwei rückläufigen Jahren in Folge war der Umsatz
der engli- schen Printmedien-Industrie im Jahre 2004 erstmals
wieder gestie- gen: Mit rund 22,5 Milliarden Euro erwirtschafteten
die Druckerei- betriebe im Vereinigten Königreich ein
Umsatzplus von 2,5 Prozent.
Über die aktuelle Situation und die weite- ren
Aussichten der Druckereien in Eng- land sprach die Heidelberg
Nachrichten mit George Clarke, dem Chef von Heidelberg Graphic
Equipment Ltd. in Großbritannien.
Herr Clarke, geben Sie unseren Lesern einen Eindruck von der
Druckbranche in England: Wie setzt sich der Markt zusammen?
George Clarke: Als Bestandteil des Druck-, Verlags- und
Papiersektors gehört die Druckbranche zum
fünftgrößten Wirtschaftszweig des Königreichs.
Nach Angaben der BPIF (British Printing Industries Federation,
Britischer Druckindustrie-Verband; Anm. d. Red.) arbeiten hier etwa
185.000 Menschen in 12.000 Druckereibetrieben. Allerdings
zählen lediglich 550 Betriebe mehr als 50 Beschäftigte -
oder anders ausgedrückt: Druckereien mit weniger als 20
Mitarbeitern stellen 90 Prozent der gesamten Branche. Zwar ist die
Anzahl der Druckereien in den letzten Jahren ebenso
zurückgegangen wie die durchschnittliche Mitarbeiterzahl pro
Druckerei, doch ist das Volumen bedruckter Bögen im gleichen
Zeitraum gleich geblieben oder gar gestiegen. Die Druckereien von
heute sind also hochproduktiv.
Und welche Produkte werden in Großbritannien durch die
hochproduktiven Druckereien gefertigt?
George Clarke: Laut den jüngsten uns vorliegenden
Zahlen der BPIF machen Werbedrucksachen - gemessen am Umsatz - den
Löwenanteil aus. Bücher und Broschüren ohne
werblichen Charakter folgen mit deutlichem Abstand. Die drei
nächstkleineren Sparten "Eintrittskarten und
Veranstaltungsprogramme etc." sowie "Periodika" und
"Verpackungen" erreichen zusammen etwa das Niveau der
Werbedrucksachen allein.
Decken diese Produkte hauptsächlich den Inlandsbedarf oder
werden sie exportiert?
George Clarke: Aufgrund unterschiedlicher und zudem nicht
topaktueller Datengrundlagen ist es schwierig, diesbezüglich
eine wirklich verlässliche Aussage zu treffen. Ich kann Ihnen
jedoch ein paar Anhaltspunkte nennen: Bei einem Gesamtumsatz von
21,7 Milliarden Euro im Jahr 2003 gingen Drucksachen im Wert von
3,5 Milliarden Euro ins Ausland, wobei das Export-Volumen um rund
900 Millionen Euro über dem Import-Volumen lag. Damit war die
"Außenhandelsbilanz" der britischen Druckindustrie
im Jahr 2003 so gut wie seit 12 Jahren nicht mehr.
Wie hat sich der Markt in den vergangenen Jahren entwickelt?
George Clarke: Der britische Druckmarkt ist sicher nicht
weiter entwickelt als diejenigen anderer Industrienationen, aber es
gibt ein paar Besonderheiten. Ursache dafür ist vor allem der
Umstand, dass die hiesige Rezession früher einsetzte als in
anderen westlichen Märkten. Diese Rezession brachte erhebliche
Einschnitte auf breiter Basis mit sich und hielt zudem lange an.
Infolgedessen mussten sich die Drucker hierzulande vergleichsweise
zeitig und nachhaltig an veränderte Rahmenbedingungen
anpassen; das heißt: ihre Betriebe schlanker, effizienter und
bedarfs- orientierter aufstellen. Dadurch fand eine Art
"Industrialisierung" auch kleinerer Betriebe statt.
Preis- und Zeitdruck sind in den letzten Jahren derartig gestiegen,
dass es klassische, quasi "isolierte" Familienbetriebe
immer schwerer haben, sich zu behaupten. Bei einer
branchentypischen Rentabilität von gerade mal 3,2 bis 4,3
Prozent waren die Drucker gezwungen, ihre Produktivität zu
erhöhen, ihre Kosten zu senken, ihren Umsatz zu steigern und
ihren Kunden diverse Mehrwerte anzubieten, um überhaupt noch
eine brauchbare Marge erwirtschaften zu können.
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Heidelberg Graphic Equipment Ltd.
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