Zuhören und machen!
Als traditionsreicher Pionier der Branche zählt die
Heidelberger Druckmaschinen AG weltweit inzwischen rund 5.000
Patent-
anmeldungen und Patente. Jährlich kommen - global
gesehen - etwa 500 weitere Patente und Anmeldungen hinzu. Den
über 1.500 Mitarbeitern in forschungs- und entwicklungs-
relevanten Bereichen stehen im laufenden Jahr ca. 230
Millionen Euro zur Verfügung, um weitere Produkte mit Zukunft
zu entwerfen. Wie und woran die Forscher bei Heidelberg derzeit
arbeiten, erfuhr die "Heidelberg Nachrichten" im
Gespräch mit Technikvorstand Dr. Jürgen Rautert,
verantwortlich für Entwicklung, Produktion und Einkauf.
Herr Dr. Rautert, in vielen Technologiesektoren werden sich die
Produkte immer ähnlicher. Ist so etwas wie "Vorsprung
durch Technik" überhaupt noch machbar?
Dr. Jürgen Rautert: (lacht) Nun, diese Frage ist in der
Welt der Technik nicht ganz neu. Zu Beginn der Industrialisierung
glaubten manche ja sogar schon zu wissen, dass mit ca. 35
Stundenkilometern das Ende der Fahnenstange erreicht sei, weil der
menschliche Körper ohnehin keine höheren
Geschwindigkeiten aushalten könne. Seither wurden wir
wiederholt eines Besseren belehrt. Sicher sind viele Technologien
heut- zutage derartig ausgereift, dass wahrhaft
"revolutionäre" Durchbrüche seltener werden -
aber Potenzial, um wirtschaftlich relevante Vorsprünge zu
erzielen, gibt es nach wie vor. Es ist in vielen Bereichen der
Technik bemerkenswert, wie z.B. durch immer bessere
Berechnungswerkzeuge, weltumspannende Forschungsnetzwerke und nicht
zuletzt durch erhebliche Investitionen der Industrie Grenzen immer
wieder neu gesteckt werden. Für uns als Technologieunternehmen
ist es natürlich eine geradezu existenzielle Notwendigkeit, in
dieser Entwicklung dem Wettbewerb eine Nasenlänge voraus zu
sein.
Angesichts dieses Drucks auf die Forschungs- und
Entwicklungsabteilungen hat ein global agierender
Elektrotechnikkonzern für seine Innovationen einmal die Devise
"Lieber nur 98,5 Prozent als 1,5 Jahre zu spät"
ausgegeben. Würden Sie ein solches Motto unterstreichen?
Dr. Jürgen Rautert: Sicher keine falsche Aussage in der
Tendenz, ich würde aber die Einheiten an den Zahlenwerten noch
einmal kritisch durchleuchten; da war doch so etwas mit Äpfeln
und Birnen, oder? Wichtig ist, dass wir nicht versuchen, alles zu
realisieren, was technisch machbar wäre, sondern uns an den
Bedürfnissen unserer Kunden ausrichten. Das ist im
Investitionsgüterbereich auch gar nicht so schwer: Der Wert
der meisten technischen Neuerungen für den Kunden lässt
sich nämlich recht einfach in Euro, Dollar, Yen oder Renminbi
ausrechnen. Addieren Sie noch etwas Benutzerfreundlichkeit,
ansprechendes Design und vor allem Zuverlässigkeit hinzu und
Sie haben das Basisrezept für erfolgreiche Produkte.
Wie also funktioniert die Forschung und Entwicklung bei
Heidelberg konkret?
Dr. Jürgen Rautert: Wir investieren mehr als sechs
Prozent unseres Umsatzes in Forschungs- und Entwicklungsprojekte
mit drei wesentlichen Stoßrichtungen. Der Löwenanteil der
Investitionen fließt in konkrete Produktideen ein, die in den
nächsten 36 Monaten in Serie gehen werden. Ein kleinerer Teil
kommt Vorentwicklungen zugute, von denen wir uns langfristige
Vorteile versprechen; beispielsweise im Bereich der
Oberflächentechnik. Natürlich investieren wir auch ein
wenig in "Grundlagenforschung" - mit entsprechend
höheren Risiken und Chancen. Die Ergebnisse all dieser Arbeit
versuchen wir systematisch vor Nachahmung zu schützen, indem
wir in allen relevanten Ländern - seit zehn Jahren
konsequenterweise z. B. auch in China - Patente anmelden. Diesen
Schutz unseres geistigen Eigentums lassen wir uns einiges kosten -
aus gutem Grund: Wir wissen aus langjähriger Erfahrung, dass
hier vorausschauendes Denken gefragt ist, denn schließlich
können wir manche Lösung heute nur deshalb in den Markt
bringen, weil Kolleginnen oder Kollegen bereits vor Jahren eine
gute Idee hatten und diese schon damals patentieren ließen.
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Dr. Jürgen Rautert
Persönliche Daten und Informationen zum Werde- gang des
Technikvorstands von Heidelberg erfahren Sie hier Lebenslauf