Nicht die üblichen Beschäftigten
In der Akzidenzdruckerei Bethel-proWerk, einer Rehabilitations-
einrichtung der "v. Bodel-
schwinghschen Anstalten Bethel" in Bielefeld,
Deutschland, arbeiten behinderte und nichtbehinderte Menschen Hand
in Hand. Die einen betreiben Drucken als Handwerk, die anderen als
Therapie. Gemeinsam verfolgen sie ein Ziel: behinderten Menschen
den Weg in den regulären Arbeitsmarkt zu ebnen.
Ein frostiger Dezembermorgen. Peter Vogt ist auf dem Weg zu
seinem Ausbildungs-
betrieb. Plötzlich, er will gerade abbiegen, verliert er
auf der spiegelglatten Fahrbahn die Kontrolle über seinen
Wagen und stößt frontal mit einem anderen Auto zusammen.
Trümmerbruch an beiden Kniescheiben, Oberschenkelfraktur und
Schädel-Hirn-Trauma lautet die Diagnose der Ärzte. Als er
aus dem Koma erwacht, erkennt er seine Angehörigen und Freunde
nicht wieder - Amnesie. Ein Jahr verbringt der damals
23-Jährige in einer Rehaklinik. Er muss wie ein kleines Kind
wieder sprechen, lesen und schreiben lernen. Seine Erinnerung
gewinnt er zwar langsam wieder zurück, doch leidet er seit dem
Unfall unter einer Konzentrationsschwäche. "Von heute auf
morgen ist mein Leben in die Brüche gegangen. Meine
Pläne, später einmal als Industriekaufmann zu arbeiten,
konnte ich begraben. Ich musste noch einmal ganz von vorn
anfangen", erzählt Peter Vogt in ruhigem Ton.
Heute arbeitet der inzwischen 33-Jährige in der
Akzidenzdruckerei der Stiftung proWerk, einer Einrichtung zur
beruflichen Rehabilitation im Bielefelder Stadtteil Bethel. Dort
wird er fachlich und pädagogisch
betreut. Vogt ist mit Hilfe seines Arztes vor knapp neun
Jahren in die Druckerei gekommen. Er sollte wieder einen
strukturierten Tagesablauf erhalten und behutsam in das Berufsleben
zurückfinden. "Zuerst war mir etwas mulmig zumute, ob ich
den Aufgaben auch gewachsen bin", erinnert sich Vogt. Doch
seine Bedenken legen sich rasch. Die Arbeit, zunächst eine
einfache Aushilfstätigkeit in der Buchbinderei, geht ihm von
Anfang an leicht von der Hand. Als sich Routine einstellt, wechselt
er in den Drucksaal und lernt an einer TOK-Einfarben drucken.
"Ich war schon immer sehr ehrgeizig. Die Arbeit muss daher
nicht nur Spaß machen, sondern mich auch immer wieder aufs
Neue fordern. Das gefällt mir am Drucken", erzählt
Vogt. Wenn man ihn dabei beobachtet, wie er mit sicheren
Handgriffen und Akribie die Druckplatten montiert und Farbe
nachfüllt, spürt man, dass er stolz auf seine Arbeit ist:
"Manche Aufträge wie das Drucken der Formulare der
vorweihnachtlichen Spendenaktion, das sind immerhin rund 250.000
Stück, wickele ich inzwischen komplett selbständig
ab", merkt Vogt an.
v. Bodelschwinghsche Anstalten Bethel.Die Druckerei
gehört zu proWerk, einem Stiftungsbereich der v.
Bodelschwinghschen Anstalten Bethel. ProWerk bietet an über 35
Standorten in Bielefeld Angebote der beruflichen Rehabilitation
für Menschen an, die behindert, psychisch krank oder sozial
benachteiligt sind. Sie werden hier beschäftigt, qualifiziert
und gefördert. Darüber hinaus unterstützt ein
Integrationsfachdienst die behinderten Beschäftigten dabei,
einen Arbeitplatz möglichst im regulären Arbeitsmarkt zu
bekommen.
Mit rund 2.000 behinderten Beschäftigten ist proWerk die
größte Einrichtung dieser Art in Deutschland. Die
behinderten Menschen arbeiten in ganz unterschiedlichen Bereichen,
außer in der Druckerei beispielsweise auch in einer
Gärtnerei, Kabelkonfektionierung, Holzund Metallverarbeitung
oder einer Handweberei. "Wir arbeiten auf einem hohen
technischen Niveau, da wir mit Privatbetrieben konkurrieren
müssen", erklärt Eckhard Spiwoks, Werkstattleiter
von proWerk, und betont: "Von unseren gewerblichen Einnahmen
bezahlen wir nicht nur unsere Beschäftigten, sondern
finanzieren auch Investitionen in moderne Maschinen. Denn nur durch
eine zeitgemäße Ausbildung haben unsere behinderten
Beschäftigten eine Chance, sich in der freien Wirtschaft zu
behaupten."
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