Der amerikanische Traum
555 Harbor Boulevard, Belmont, Kalifornien. Die Adresse einer
der außergewöhnlichsten Druckereien in den USA: Es ist
der Sitz von Moquin Press. Das Geschäftsmodell der Firma ist
ebenso ausgefallen wie die Karriere ihres Gründers Greg Moquin
- oder eben doch nur "typisch amerikanisch"? Von einer
Auftragsflut ohne Kunden, zwei Speedmaster XL 105 und viel Sonne
über Kalifornien …
Greg Moquin ist jemand, der nicht aufgibt, der sich
durchbeißt. Der ursprünglich gar keine Druckerei
gründen will, sich dann aber vom Garagendrucker zum Leiter
eines 90-Mann-Unternehmens in der sonnigen San Francisco Bay
hochrackert. Eine echte Erfolgsgeschichte "Made in USA".
Dabei begann seine Karriere alles andere als vielversprechend. So
muss Greg bei seiner ersten Stelle in einem
Weiterverarbeitungsbetrieb eines Bekannten zunächst auch im
wörtlichen Sinne Drecksarbeiten erledigen: beispielsweise
Fußböden aufwischen, aufräumen und Müll
entsorgen - tagaus, tagein. Doch Greg ist ehrgeizig. Nach und nach
eignet er sich das Wissen eines Maschinenführers an und
erklimmt so die zweite Sprosse auf seiner Karriereleiter: Er wird
Hilfsarbeiter.
Wie der Geschäftsmann heute rückblickend berichtet,
war einer der Antriebsfaktoren für seine Karriere schlicht und
ergreifend Geldnot: "Das Leben im Großraum San Francisco
ist sehr teuer. Und die Hilfsarbeiterstelle war nicht gut
bezahlt." Daher schaut sich der junge Moquin bald nach einem
anderen Job um. Schließlich kommt er bei einer Druckerei
unter, die ihm einen höheren Stundenlohn anbietet. Hier wird
Greg erstmalig an Druckmaschinen eingearbeitet. Und er merkt: Die
Arbeit macht ihm richtig Spaß.
Drucken in der Garage
Doch noch immer reicht das Geld nicht. Greg hat ein Haus
abzubezahlen. Deshalb sucht er nach einem kleinen Zusatzverdienst.
Er kauft eine gebrauchte Druckmaschine, die er auf Vordermann
bringen will, um sie anschließend mit Gewinn wieder zu
verkaufen. Doch dazu kommt es nicht. Von einem befreundeten
Grundstücksmakler erhält er seinen ersten Auftrag. Er
soll für ihn Visitenkarten drucken. Und weil bereits der
nächste Kunde vor der Tür steht, startet Greg sein
eigenes Unternehmen, in der Garage hinter seinem Haus mit zwei
gebrauchten Druckmaschinen, einem Tiegel und einem
Schneidegerät. Von Gregs Nebenerwerb sind die Nachbarn indes
alles andere als begeistert: Die Anwohner wollen in den
Abendstunden beziehungsweise an den Wochenenden lieber ihre Ruhe
genießen, anstatt ihre Freizeit in einer akustischen
Industriekulisse verbringen zu müssen. Als schließlich
auch noch die Gemeinde Schwierigkeit macht, zieht der
Garagendrucker in ein größeres Gebäude um. "Es
war ein kleines Lagerhaus von rund 37 Quadratmetern. Der
Quadratmeter zu knapp acht Euro", erinnert sich Greg.
Natürlich kostet das zusätzlich Geld, so dass er in der
Folgezeit noch mehr Aufträge annimmt und vor allem sauber
abwickelt.
Alles läuft prima - so scheint es jedenfalls. Doch dann
bekommt Gregs Arbeitgeber Wind davon, dass er auf eigene Rechnung
arbeitet und ihm sogar noch mit seiner Druckerei Konkurrenz macht.
Greg wird gefeuert: "Ich war zunächst verzweifelt. Daher
klapperte ich viele kleine Druckereien mit Schnelldruckpressen ab,
um solche Druckaufträge zu übernehmen, die sie einfach
nicht abwickeln konnten. Ich konnte Sachen drucken, zu denen sie
nicht imstande waren, beispielsweise biegesteife Materialien
bedrucken oder gerasterte Vorlagen auf gestrichenem Papier drucken.
So bekam ich nach und nach Aufträge."
Greg muss zu dieser Zeit 100 Dollar Gewinn in der Woche
machen, um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren, ein ehrgeiziges
Ziel - aber er schafft es, wird immer besser. "Von Beginn an
wickelte ich Aufträge sehr schnell ab. Bekam ich einen Auftrag
am Montag rein, dann lieferte ich am Dienstag bereits an den Kunden
aus", erinnert sich Greg. Wie er berichtet, sind kurze
Lieferzeiten auch heute noch das Markenzeichen von Moquin Press:
"Wir sind unglaublich serviceorientiert. Das ist mit ein
Grund, warum der Betrieb so gut läuft."
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Moquin Press
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