Mumbai Masala
Parksons Packaging Ltd, Indien: Mumbai - wie ein magisches
"Sesam öffne dich!" zieht die pulsierende
13-Millionen-Metropole Investoren, Angestellte, Tagelöhner,
Stars und Sternchen an. Wer im ehemaligen Bombay etwas wagt, kann
viel gewinnen. So wie Parksons Packaging: Die Druckerei setzte vor
rund zwölf Jahren komplett auf den Verpackungsdruck, damals
noch ein absolutes Nischensegment. Jetzt nimmt sie den Weltmarkt
ins Visier.
Rushhour. Mittendrin im allabendlichen Verkehrschaos. Das
nervöse Hupkonzert unzähliger Autos und Mopeds mischt
sich mit dem von Lastern und Doppeldeckerbussen zu einem endlosen
Vibrato. Nichts in Mumbai bewegt sich lautlos. Jeden Morgen zieht
die überbordende Megacity rund fünf Millionen Pendler an
und spuckt sie abends wieder aus. Fast immer fahren auf den
dreispurigen Straßen vier Autos nebeneinander. Jeder
Asphaltzentimeter zählt. Selbst die kleinste
Lücke wird genutzt, auch wenn andere Autos dabei auf den
Gehweg ausweichen müssen. Anstoß nimmt daran niemand.
Warum auch? Nichts würde sich ändern. Wie ein endlos
langer Wurm schlängeln sich die Menschenmassen durch die
Stadt. Das halsbrecherische Wirtschaftswachstum hat Mumbai in eine
Masala verwandelt - in einen unablässig brodelnden,
gigantischen Eintopf, der sich aus allen Bevölkerungsschichten
und Lebensstilen zusammensetzt, eine Masse von mehr als 200
Sprachen und Dialekten sowie unzähligen Glaubensrichtungen.
Trotz des kargen Lebenswandels großer Bevölkerungsteile
herrscht Aufbruchstimmung, die jeden packt, in einer pulsierenden
Megacity, die niemals schläft. Rund um die Uhr wird
produziert, gebaut und konsumiert.
Boom-Markt Verpackungsdruck. Es ist kurz nach sechs Uhr
abends. Junge Leute und kinderreiche Familien schlendern, mit
Plastiktüten bepackt, durch die klimatisierten Gänge des
Einkaufszentrums "Phoenix Mall". An den Kassen im
dortigen "Food Bazaar"stehen die Menschen Schlange. Hier
gibt es fast nur noch abgepackte Lebensmittel. Auch in den
Fastfood-Restaurants stapeln sich die papier- oder
plastikumhüllten Mahlzeiten auf den Tabletts.
McDonald's, Pizza Hut, Adidas oder
L'Oréal - der Zulauf globaler Konzerne nach Mumbai
ist unermüdlich. Jede Neueröffnung verschiebt den
Lebensstil weiter in Richtung Westen. Und der ist untrennbar mit
Verpackungen verbunden. "Je höher der Lebensstandard,
desto wichtiger werden Verpackungen. Sie übernehmen auf Grund
des großen Angebots ähnlicher Produkte immer mehr eine
verkaufsentscheidende Rolle. Bis vor zehn Jahren wurde in Indien
kaum etwas verpackt. Mit dem Wirtschaftswachstum hat sich der
Anteil der verpackten Waren vervielfacht", erläutert
Ramesh Kejriwal. Der 57-Jährige ist Geschäftsführer
(Chief Executive Officer, CEO) von Parksons Packaging. Das
Unternehmen, das seinen Sitz unweit der "Phoenix
Mall" hat, stieg 1996 in den Verpackungsdruck ein und
profitiert nun vom Wirtschaftsboom.
Der Erfolg von Parksons Packaging ist kein Zufall, sondern
das Ergebnis von akribischen Marktanalysen und einer
wohldurchdachten Geschäftsstrategie. Die 1957 gegründete
Druckerei stellte ursprünglich Spielkarten her, dann
hauptsächlich Akzidenzen. Mitte der 1990er Jahre ergreifen
Ramesh und sein ältester Sohn Siddharth (34) die Chance und
richten das Geschäft auf den Verpackungsdruck aus. Sie
beauftragen eine weltweit führende Unternehmensberatung, die
ausgewählte Fortune100-Unternehmen zu aktuellen Trends und zum
Wachstumspotential des indischen Verpackungsdruckmarkts befragt.
Schritt für Schritt baut die Druckerei ihr Wissen aus -
und geht dabei systematisch vor: "In den ersten beiden Jahren
haben wir ausschließlich kleine Auflagen gedruckt, um ein
Gefühl für den Return on Investment zu gewinnen. Die
Umstellung von Akzidenzen auf Verpackungen bedeutete gewaltige
Investitionen in die Ausstattung. Zudem mussten wir Abläufe
und Lieferanten neu organisieren", berichtet Siddharth. Er
studierte Betriebswirtschaft in den USA und stieg 1994 in den
elterlichen Betrieb ein, wo er als Chief Operating Officer (COO)
für das Tagesgeschäft, einschließlich Produktion und
Marketing zuständig ist. Um das hohe Investitionsvolumen zu
stemmen und Risiken abzufedern, hat Parksons Packaging inzwischen
einen Private-Equity-Partner ins Boot geholt, der eine
Minderheitsbeteiligung am Unternehmen hält.
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