
Peter Tix hat einiges vor. "Wir wollen der größte
Consumables-Anbieter der Welt werden", sagt der Leiter des
Geschäftsbereichs Verbrauchsmaterialien bei Heidelberg. Im
Interview erklärt der 47-Jährige, wie er dieses Ziel mit
den Saphira-Produkten erreichen will.
Herr Tix, warum ist das Geschäft mit Verbrauchsmaterialien
ausgerechnet für einen Hersteller von Druckmaschinen so
attraktiv?
Peter Tix: Eine Druckmaschine ist für jeden Kunden von
Heidelberg eine große Investition. Vielleicht ist manchem
Drucker aber gar nicht bewusst, dass er innerhalb von acht Jahren
etwa zwei- bis dreimal so viel Geld für Verbrauchsmaterialien
ausgibt wie für die Druckmaschine - und in dieser Betrachtung
ist das Papier noch nicht einmal berücksichtigt! Der
Löwenanteil der übrigen Verbrauchsmaterialien
entfällt auf Farben bzw. Lacke sowie Druckplatten. Hinzu
kommt: In schwierigen Zeiten wie diesen halten sich viele Kunden
zwar beim Kauf neuer Maschinen zurück, stellen aber nicht die
Druckproduktion ein - mit anderen Worten: Verbrauchsmaterialien
werden weiterhin benötigt. Insofern ist der Consumables-Markt
weniger konjunkturabhängig und bietet Stabilität. Davon
wollen wir profitieren.
Wie genau? Als Verbraucher erwarte ich ja schließlich, dass
meine individuellen Präferenzen befriedigt werden …
Tix: Deshalb sind Consumables bei Heidelberg traditionell
ein dezentrales Geschäft. Die einzelnen Märkte
führen Regie. So können wir unser Angebot am besten an
die jeweiligen Bedürfnisse in den einzelnen Ländern
anpassen. Zum Beispiel sind in Nordamerika aufgrund anderer
Anwendungen andere Farben gefragt als in Asien. Trotzdem sind
unsere Landesgesellschaften bei ihrer lokalen Arbeit nicht auf sich
allein gestellt. Gemäß unserer Strategie "Global plus
lokal" erhalten sie von der Zentrale in Heidelberg jede
Unterstützung, die sie brauchen.
Wie sieht diese Unterstützung für die einzelnen
Länder aus, und was haben Ihre Kunden davon?
Tix: Der zentrale Geschäftsbereich funktioniert wie ein
Competence-Center. Im konkreten Fall heißt das: Wir geben
anwendungstechnisches und Management-Wissen an die Märkte
weiter. Dazu haben wir hier in Heidelberg Topleute mit 20- bis
30-jähriger Erfahrung im Consumables-Geschäft. Umgekehrt
lernen wir laufend von unseren besten Vertriebsgesellschaften. Wenn
etwa ein Land ein erfolgreiches Geschäftsmodell realisiert
hat, dann sorgen wir dafür, dass es alle anderen Märkte
auch kennenlernen. Zum Beispiel erhalten Kunden in einigen
Ländern kostenlos das automatische Farbzuführsystem
InkLine, wenn sie ihre Farbe drei Jahre ausschließlich bei uns
kaufen. Ideen wie diese, die zum beiderseitigen Vorteil gereichen,
funktionieren ja möglicherweise auch in anderen Ländern.
Wir definieren dann mit den Verantwortlichen vor Ort, wie diese
Geschäftsideen in ihren jeweiligen Märkten umgesetzt
werden können.
Die Zentrale hat demnach vorrangig eine Beraterfunktion?
Tix: Nicht nur das: Zusätzlich verhandeln wir ja auch
mit regional oder gar global agierenden Lieferanten. Dabei
realisieren wir ein ziemlich großes Einkaufsvolumen - was uns
wiederum in die Lage versetzt, kostengünstigere
Rahmenverträge abzuschließen. Den daraus resultierenden
Preisvorteil reichen wir an unsere Vertriebsorganisationen weiter.
Schließlich wollen wir unseren Kunden das beste
Preis-Leistungs-Verhältnis der Branche bieten. Darüber
hinaus erarbeiten wir im Bereich Supply-Chain und Logistik Konzepte
zur Effizienzsteigerung und treiben ihre Umsetzung mit den
Märkten voran. Es gilt dabei, das bestehende Produktportfolio
zu bereinigen und die Prozesskette vom Lieferanten zum Endkunden
bei gewünschter Kundenflexibilität zu optimieren.
Und welche Produkte findet die Druckerei im
Saphira-Portfolio?
Tix: Bei Heidelberg bekommt die Druckerei im Prinzip alles,
was sie für ihre Produktion braucht. Allerdings existiert
aufgrund der lokalen Natur des Geschäfts kein weltweit
einheitliches Saphira-Angebot. Beim Umfang des Produktangebotes
herrschen ebenfalls noch Unterschiede: In einigen Regionen der Welt
gibt es bereits viele Länder, die ein vollständiges
Sortiment anbieten. Kanada ist so ein Beispiel. Was Jean-Francois
Colpron und Kollegen dort - unter anderem durch gezielte
Akquisitionen - auf die Beine gestellt haben, ist vorbildlich:
Kunden in Kanada können aus fast 90 Produktkategorien
wählen; von Gummitüchern über Densitometer bis hin
zu Klebstoffen. Zurzeit arbeiten wir mit Hochdruck daran, dass die
anderen Märkte nachziehen. Mit Saphira haben wir aber bereits
ein wichtiges Etappenziel erreicht: einen einheitlichen Markennamen
für unsere Verbrauchsmaterialien.
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