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Aufstieg in die Major League

Heidelberger Druckmaschinen AG: Aufstieg in die Major League

Vor fünf Jahren erfüllten sich Bob Coppinger, Eddie Kelley und Will Winship einen Traum: Die baseballbegeisterten Fans der Boston Red Sox kauften sich nördlich der Großstadt ihre eigene Druckerei, um ihre Vorstellung vom "Way of Business" Wirklichkeit werden zu lassen. Heute zählt Kirkwood Printing zu den erfolgreichsten Akzidenzdruckereien der USA.

Boston 2004. Es ist der 27. Oktober, kurz vor Mitternacht. Die Straßen der Großstadt an der amerikanischen Ostküste sind wie leergefegt. Fast jeder sitzt mit Freunden zuhause oder in der Kneipe und verfolgt im Fernsehen gebannt die letzten Minuten des Spiels der Boston Red Sox gegen die St. Louis Cardinals. Für die Baseball-Fans aus Boston ist es das "Spiel der Spiele": das Finale der World Series. Und es ist - wieder einmal - die große Chance, sich vom legendären "Fluch des Bambino" zu befreien, der seit 1920 auf den Red Sox zu lasten scheint. Damals verkaufte das Management einen gewissen George Herman Ruth (siehe Seite 10) an die New York Yankees. Wie sich herausstellen sollte, machte der Verein damit einen der größten Fehler der Sportgeschichte. Denn bei den Yankees zeigte "Bambino" Babe Ruth sein ganzes Genie und spielte sich schnell in die Hall of Fame des Baseballs, mitten hinein in die Herzen der Amerikaner. Die Yankees gewinnen von diesem Zeitpunkt an insgesamt 26 World-Series-Titel. Für die Red Sox und ihre Fans beginnt ohne Babe Ruth dagegen eine lange Zeit des Wartens und der Verzweiflung. 1918 gewinnen die Red Sox zum letzten Mal die World Series, danach wird die Mannschaft 86 Jahre lang keinen Titel mehr holen. 31 459 Tage lang verwandelt sich jeder leise Hoffnungsschimmer am Ende in bittere Enttäuschung. Bis zu diesem Spiel, in dieser Nacht, in der drei Millionen Fans um Punkt 23 Uhr 40 laut schreien und jubeln, als der Red-Sox-Spieler Keith Foulke den entscheidenden Ball wirft und seine Mannschaft zum 3:0-Sieg führt. Kurz darauf füllen sich die eben noch leeren Straßen von Boston mit Menschen, die sich umarmen, tanzen und feiern. Wieder einmal fließen Tränen. Aber diesmal vor Freude.

Bob Coppinger, Eddie Kelley und Will Winship werden diesen Tag ebenfalls niemals vergessen. Sie kennen die Red Sox von Kindesbeinen an, waren mit ihren Vätern und Großvätern bei unzähligen Heimspielen im Bostoner Fenway Park und sind mit ihnen und all den anderen Fans durch das tiefe Tal der Tränen gegangen. Aber es gibt noch einen weiteren Grund dafür, dass dieser 27. Oktober 2004 für das Trio ein ganz besonderes Datum ist. Denn an diesem Tag treffen sie sich beim Anwalt, um einen Vertrag zu unterschreiben, der sie zu den Besitzern von Kirkwood Printing macht. Für die drei ehemaligen Vertriebsmitarbeiter einer großen Druckerei geht damit ein langgehegter Traum in Erfüllung. "Wir hatten unsere eigenen Vorstellungen vom Geschäft und waren schon lange auf der Suche nach einer geeigneten Druckerei. Als sich uns die Chance bot, waren wir uns schnell einig und griffen zu", erinnert sich Geschäftsführer Bob Coppinger, der sich bei Kirkwood vorrangig um das Finanzmanagement kümmert.

Tatsächlich sind die Voraussetzungen für den Kauf geradezu perfekt: Die 5 000 Quadratmeter große Akzidenzdruckerei in Wilmington liegt nördlich von Boston, gegenüber von schmucken, weißen Einfamilienhäusern an einer Straße, die sich in Richtung Küste schlängelt. Anfang der 70er Jahre gegründet, profitierte Kirkwood Printing schnell vom einsetzenden Hightech-Boom in Neuengland. Im Jahr 2000 erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz von über 6 Millionen Euro. Dann kam der 11. September 2001 - und mit ihm die Wirtschaftsflaute. Wie so viele Firmen geriet auch Kirkwood bald ins Schlingern und musste erstmals Mitarbeiter entlassen. Der Umsatz brach ein. Ein Unternehmensberater, der die Druckerei wieder auf Erfolgskurs bringen sollte, schlug schließlich den Verkauf vor - genau zu dem Zeitpunkt, als Bob Coppinger, Eddie Kelley und Will Winship zur Stelle waren.

Die neuen Druckereibesitzer machen sich sofort an die Arbeit. Zunächst müssen sie die Bestandskunden davon überzeugen, dass der Wechsel in der Chefetage für sie keine Nachteile mit sich bringt. Viel Zeit dafür bleibt ihnen nicht, denn die Zahl der neuen Aufträge nimmt rapide zu. Eddie Kelley kann einen seiner alten Großkunden überreden, künftig bei Kirkwood drucken zu lassen - ein erster Erfolg, mit dem sich die drei neuen Besitzer jedoch nicht zufriedengeben: Kirkwood soll wachsen. Schnell wachsen. Und Kirkwood soll sich weit über die Grenzen Neuenglands hinaus einen Namen machen: als eine der besten Druckereien der USA.

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