Tipps & Tricks: Verkleben von Wertmarken auf Wasserflaschen
Fehlerdefininition und Auswirkung
Produkte tragen auf Behältern oder deren Verpackung
Angaben über den Inhalt sowie zusätzliche Informationen.
Es ist ein wichtiges Ziel, dass der Kunde die verpackte Ware in
einwandfreiem Zustand vorfindet, denn nach Untersuchungen von
Verkaufspsychologen besteht ein enger Zusammen- hang zwischen dem
äußeren Erscheinungsbild des Produktes und dem
Kaufverhalten. Es gibt jedoch auch Beispiele, bei denen die
optische Erscheinung zwar stimmt, aber trotzdem, unabhängig
von der Qualität des Inhalts, im Nachhinein Reklamationen
auftreten können. Zum Beispiel wer- den Etiketten mit einem
speziellen Klebstoff auf Flaschen aufgespendet. Sie sollen
unbeschadet die verschiedenen Stationen bis zur Auslieferung
überstehen. Die Etiketten sind in der Regel auf der Flasche
fest fixiert, d.h. völlig verklebt, und lassen sich nicht ohne
weiteres ablösen. Aber es gibt auch Fälle, bei denen sich
das Etikett leicht ablösen lassen muss. Denn es kann
möglich sein, dass sich auf der Rückseite des Etiketts
Informationen verbergen, die für den Käufer wichtig sind
oder einen bestimmten Sammlerwert haben. Es handelt sich hier um so
genannte Wertmarken.
Ursachen und Abhilfen
Wie erwähnt gibt es Anwendungen, bei denen sich das
Etikett leicht mit der Hand ablösen lassen soll. Damit dieses
funktioniert, muss ein spezieller Trennlack aufgetragen werden.
Dabei spielen die richtige Abstimmung des Klebstofftyps auf das
gesamte System und die Mindest-Auftragsstärke des
Klebstofftyps eine große Rolle. Bei Druckbetrieben, die hier
Neuland betreten, sind entsprechende Vorversuche erforderlich.
Fallbeispiel
Die Vorderseite der Etiketten von Wasserflaschen war
vierfarbig be- druckt und inline drucklackiert. Auf die
Rückseite war eine Wertmarke einfarbig aufgedruckt. Dem
Käufer wurde zugesichert, dass er beim Sammeln von hundert
dieser Etiketten den aufgedruckten Betrag einlösen kann. Damit
dieses System funktioniert, wird ein Trennlack in zwei Druckwerken
nass in nass auf die Etikettenrückseite aufgebracht, der nach
dem Aufspenden der Etiketten zwar mit dem Etikettierkleber bzw. der
Flasche im Kontakt steht, jedoch ein völliges Verkleben der
Etiketten verhindert. Der komplizierte Auf bau eines solchen
Etiketts ist in der Abbildung dargestellt. Nach Auslieferung der
Flaschen im Getränkehandel wurden bald die ersten Beschwerden
bekannt. Bei einem Teil der Flaschen lösten sich die
Halsetiketten nicht, obwohl bei Betrachtung der
Flaschenrückseite die Aufforderung zum Sammeln deutlich zu
erkennen war. Die Versuche, das Etikett von der Flasche zu
entfernen, führten zu dessen völliger Zerstörung.
Die Beanstandungen häuften sich, so dass rechtliche
Konsequenzen zu befürchten waren.
Untersuchungen
Visuelle Beurteilung: Bei den als "gut"
bezeichneten Flaschen ließen sich die Halsetiketten ohne
Papierrückstände einwandfrei von der Glasober-
fläche lösen, wogegen die reklamierten Etiketten eine
teilweise bzw. vollständige Verklebung zeigten. Im Nachhinein
konnte von der Druckerei nicht mehr nachvollzogen werden, zu
welchem Zeitraum der Etikettenher- stellung jeweils verschiedene
Papierlieferungen zum Einsatz gekommen waren. Den beanstandeten
Etiketten konnte mit Sicherheit ein ganz be- stimmter Trennlack (D)
zugeordnet werden. Die vergleichenden Prüfung- en der bei dem
Auftrag eingesetzten Papiere gaben keinen Hinweis auf die
Fehlerursache. Ferner konnten bei den zwei eingesetzten Trennlacken
bei verschiedenen chemischen Untersuchungen im Wesentlichen
identische Inhaltsstoffe festgestellt werden. Da diese
Untersuchungen keinerlei Anhaltspunkte für die Ursache des
aufgetretenen Problems lieferten, wur- de auf Verdacht dem Einfluss
der Trennlack-Auftragsmenge nachgegan- gen. Dazu erfolgten
Probelackierungen und anschließende Klebeversuche. An einer
Probedruckmaschine wurden Serien von gewogenen Andrucken mit den
bei der Auflage eingesetzten Materialien erstellt (zwei Papiere und
zwei Trennlacke C und D). Die Lacke wurden im Nass-in-Nass-Druck
mit den Mengen von 1,0 Gramm pro Quadratmeter - 2,5 Gramm pro
Quadrat- meter - 3,5 Gramm pro Quadratmeter aufgebracht.
Klebeversuche:
Papierproben mit unterschiedlichem Trennlack-Auftrag
sowie Original- etiketten - mit "gut" und
"beanstandet" bezeichnet - wurden bei Verwen- dung des
eingesetzten Etikettierklebstoffes einem vergleichenden, definier-
ten Klebeversuch unterzogen. Der Klebstoff wurde mit einer
Ziehrakel mit einer Schichtdicke von zehn Mikrometer bzw. 50
Mikrometer auf die zu prüfende Probenrückseite
aufgetragen. Unmittelbar danach erfolgte das Aufspenden der Probe.
Zusammenfassende Beurteilung der Klebeversuche:
- Die Klebstoff-Auftragsmenge hatte keinen Einfluss auf das
Testergebnis.
- Die mit "gut" bezeichneten Originaletiketten
ließen beim Versuch des Ablösens leichtes Haften
erkennen, jedoch war ein vollständiges Trennen ohne
Papierrückstände möglich.
- Die beanstandeten Etiketten zeigten eine völlige
Verklebung.
- Mit einer Trennlack-Auftragsmenge von 2,5 Gramm pro Quadrat-
meter bzw. 3,5 Gramm pro Quadratmeter konnte bei beiden Lacken
ein einwandfreies Lösen festgestellt werden. Vom
Lackhersteller wird ein Mindestauftrag von 2,5 Gramm pro
Quadratmeter gefordert.
- Bei der Auftragsmenge von 1,0 Gramm pro Quadratmeter zeigte
sich bei Verwendung des Lacktyps C ein einwandfreies Trennen der
Proben, wogegen Lacktyp D unter sonst gleichen Testbeding- ungen
ein völliges Verkleben bewirkte.
- Beide Papiere verhielten sich bei den Versuchen absolut
gleich.
Die Versuche zeigen also, dass die Ursache der aufgetretenen
Probleme weder in der Klebstoff-Auftragsmenge noch in der
Papierqualität zu suchen war. Vielmehr wurde deutlich, dass
Lacktyp D nur mit relativ hoher Auftragsmenge ein gutes, bei
geringer Auftragsmenge allerdings kein Trennen ermöglichte.
Prüfung der Oberflächenspannung:
An lackierten Proben und an Originaletiketten wurden auf
der Rückseite im Anschluss Prüfungen der
Oberflächenspannung durchgeführt. Diese Tests erfolgten
mit den im Handel erhältlichen Testtinten, die sich in der
Oberflächenspannung unterscheiden. Zum Einsatz kam die
Prüftinte mit der Oberflächenspannung von 41 mN/m.
Ergebnisse:
- Auf den beanstandeten Etiketten und den Probelackierungen mit
Lack D zeigte sich bei geringer Auftragsmenge ein Spreiten des
Tropfens - gute Benetzung bei geringem Lackauftrag.
- Die als "gut" bezeichneten Etiketten und
Probelackierungen mit Lack C und D zeigten bei hohen
Auftragsmengen ein starkes Perlen des Tropfens - geringe
Benetzung bei hohem Lackauftrag.
- Die Versuche ergaben einen engen Zusammenhang zwischen der
Auftragsmenge des Trennlacks und der
Oberflächenspannung.
- In der Praxis ist diese Prüfung ein probates Mittel, um
vor Ort rechtzeitig eventuelle Schwierigkeiten auf Grund zu
geringer Lackauftragsmenge zu erkennen.
- Die Abbildungen zeigen die Prüfungen der
Oberflächenspannung an einem einwandfreien und einem
beanstandeten Etikett.
Fazit
Etiketten dürfen sich normalerweise nicht von der
Flasche lösen. Im vorliegenden Fall sollten sich die
Halsetiketten allerdings einwandfrei entfernen lassen. Es handelte
sich hierbei um Wertmarken, die vom Kunden gesammelt werden
sollten. Bei einem Teil der Produktion waren die Etiketten
völlig mit der Flasche verklebt und daher als Wertmarken
unbrauchbar. Die Untersuchungen haben gezeigt, dass weder im Papier
noch in der Klebstoff-Auftragsmenge der Fehler zu suchen war. Erst
nach Probelackierungen mit zwei bei der Produktion eingesetzten
Trennlacken und anschließenden Klebeversuchen konnte die
Ursache gefunden wer- den: Die beiden Anfertigungen von Trennlacken
des gleichen Herstellers verhielten sich in ihrer Trennwirkung sehr
unterschiedlich. Während der Lack C selbst bei geringer
Auftragsmenge "funktionierte", führte Lack D unter
gleichen Druckbedingungen zu einer völligen Verklebung, also
einer Unbrauchbarkeit der Sammlermarken. Nach den
durchgeführten Untersuchungen wurden zwei Verursacher
ermittelt:
- Der eingesetzte Lack D hatte in seiner Trennwirkung
wesentlich ungünstigere Eigenschaften als Lack C desselben
Herstellers.
- Die Versuche machten ferner deutlich, dass bei
Unterschreitung der vom Lackhersteller geforderten
Mindestauftragsmenge von 2,5 Gramm pro Quadratmeter Probleme in
der Trennwirkung auftreten können.
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