Tipps & Tricks: Grauschleier auf folienkaschierten Drucken
Bei exklusiven Verpackungen machen sich selbst kleinste Fehler
störend bemerkbar. Nichts darf den positiven ersten Eindruck
beeinträchtigen. Ein Beispiel sind aufwendig hergestellte
Kosmetikverpackungen. Forderungen an eine optimale Verpackung
können ein hoher Glanz sein und der Schutz der Oberfläche
vor mechanischen Beanspruchungen. Am besten werden die
gewünschten Eigenschaften durch eine Glanzfolienkaschierung
erreicht.
Für eine optimale Folienkaschierung ist ein guter
Kontakt zwischen Folie und Kartonoberfläche Voraussetzung.
Wird dies nicht gewährleistet, fehlt die Homogenität, was
bei Schräglichtbetrachtung mit einer gewissen Narbigkeit
sichtbar wird. Ferner zeigt sich in der Draufsicht über die
gesamte Fläche eine Art Vergrauung, die dann vom Kunden als
besonders störend empfunden wird.
Ursachen und Abhilfen
Bei einer späteren Folienkaschierung kann im
Offsetdruck eine zu hohe Pudermenge oder eine falsche
Korngröße - gegen das Ablegen der Druckfarbe - zu
Kontaktproblemen führen. Wenn diese Gefahr besteht, ist es
möglich, durch einen separaten "Streckgang" in der
Offsetmaschine (einen Durchlauf des Papiers mit abgestelltem
Farbwerk) die Mehrzahl der Puderkörner von der Oberfläche
wieder zu entfernen.
Der Kontakt zwischen Klebstoff und Folie oder Karton kann
durch Benetzungsprobleme des flüssigen Klebstoffs gestört
sein. Diese lassen sich durch Einsatz vorbehandelter Kaschierfolien
verringern. Eine Vorbehandlung, die in der Regel vom
Folienhersteller durchgeführt wird, erhöht die
Grenzflächenspannung. Eine glatte Oberfläche des Bedruck-
stoffs und eine abgestimmte Druckfarbenserie kann zusätzlich
zu einem guten Kaschierergebnis beitragen.
Fallbeispiel
Ein Faltschachtelkarton für eine hochwertige
Kosmetikverpackung wurde vollflächig dunkelblau bedruckt.
Einige Tage später erfolgte in einem Veredelungsbetrieb eine
Glanzfolienkaschierung. Nach Auslieferung der gestanzten Zuschnitte
beanstandete der Endabnehmer die Ware mit der Begründung, dass
bei Betrachtung der Zuschnitte im Schräglicht und in der
Draufsicht zahlreiche punktförmige, helle Fehlstellen sichtbar
werden, die den Eindruck eines Grauschleiers machten. Es sollte
festgestellt werden, was als Ursache dieses Grauschleiers in Frage
kam.
Untersuchungen
Um eine Aussage machen zu können, ob es sich um
einzelne Partikel unter der Folie oder um Lufteinschlüsse
handelt, erfolgten Aufnahmen mit dem Rasterelektronenmikroskop
(REM). Dazu wurde die Folie von der Karton- oberfläche
abgezogen. Die Aufnahmen erfolgten dann von der Folien-
rückseite und von der im Kontakt stehenden Kartonvorderseite.
Im Querschnitt zeigen sich Hohlräume in der Klebstoffschicht.
Die Aufnahmen zeigten ein verein- zeltes Lösen der
Klebstoffschicht vom Karton. Eingeschlossene Partikel wurden nicht
festgestellt. Weitere Aufnahmen wurden von Querschnitten des
veredelten Faltschachtelkartons erstellt. Wie auf der Abbildung zu
erkennen ist, wurde der Klebstoff an manchen Stellen zu dünn
aufgetragen oder fehlt gänzlich, was zur Bildung von
Hohlräumen führte.
Die Abbildung macht deutlich, dass zwischen der
20-Mikrometer-Kaschierfolie und der sieben Mikrometer starken
Klebstoffschicht ein guter Kontakt besteht. Die Hohlräume sind
lediglich an Grenzstellen zwischen der Kartonoberfläche und
dem Kleber vorhanden. Daraus ist zu schließen, dass die
unzureichende Folienkaschierung nicht durch eingeschlossene
Partikel (z.B. Druckbestäubungspuder), sondern durch
Lücken in der Klebstoffschicht entstanden ist. Anhand des zur
Verfügung gestellten Mustermaterials konnte nicht exakt
festgestellt werden, aus welchem Grunde es zu den Hohlräumen
gekommen ist.
Hier einige mögliche Ursachen:
- Nicht optimale Viskosität des Klebstoffs
- Lufteinschlüsse im Klebstoff (Schaumbildung)
- Keine oder unzureichende Vorbehandlung der
Kaschierfolien
- Benetzungsstörungen auf der Kartonoberfläche
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Daten & Fakten
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