Linearisierungskurven korrekt anwenden
Bei der Bebilderung von Druckplatten gibt es zwei wesentliche
Ursachen für Störungen in Verläufen. Zum einen durch
Dejustierungen und Verschmutzungen in der Bebilderungseinheit
(siehe Teil I, HN 259), zum anderen durch ungünstig
eingestellte Linearisierungs- und Tonwertkorrekturkurven. Diese im
RIP einer CtP-Anlage hinterlegten Daten sind nötig, um im
Druckbogen die Tonwerte entsprechend den Normvorgaben für die
jeweilige Druckbedingung zu erreichen.
Problemfeld "Linearisierungskurven"
Linearisierungskurven dienen häufig dazu, auf einer
CtP-Platte einen gewünschten Tonwert wiederzugeben,
beispielsweise um ein 40-Prozent-Feld des Datensatzes mit exakt 40
Prozent auf der Platte zu erzeugen. Je nach Systemkonfiguration ist
es zunächst erforderlich, eine Korrektur von bis
zu sieben Prozent einzugeben. Infolge dieser Korrektur
verschiebt sich der Tonwert nicht nur auf der Platte, sondern auch
im Druck. Anschließend wird im RIP eine Tonwertkorrektur zur
Kompensierung der ungünstigen Tonwertzunahme hinterlegt.
Mathematisch bedeutet die Anwendung von Linearisierungs- und
Tonwertkorrekturkurven zum Beispiel eine Addition zum Tonwert
(Linearisierung) und eine unmittelbar folgende Subtraktion im RIP
(Tonwertkorrektur). Da im RIP durchaus zwei unterschiedliche
Rechenvorgänge für diese beiden Schritte erfolgen
können, führt dies im ungünstigsten, jedoch
häufig auftretenden Fall zu Rundungsfehlern und damit zu
Störungen in Verläufen. Diese Störungen werden bei
messtechnischen Auswertungen von Tonwertfeldern nicht erkannt, da
sie selten in Stufenfeldern (zum Beispiel Rasterkeil in
Fünf-Prozent-Stufen) auftreten.
Untersuchungen der Fogra zeigen, dass Linearisierungskurven
nur in Ausnahmefällen nützlich sind. So sollten im
Idealfall die Messergebnisse, die die Tonwerte auf der entwickelten
Druckplatte wiedergeben, auf einen Mittelwert basieren, der aus
einer statistisch gesicherten Anzahl von Messungen (rund zehn
Messfelder auf wenigstens vier Druckplatten) erhoben wird. Zudem
dürfen die Messergebnisse nur dann als Grundlage für eine
"Linearisierungskurve" dienen, wenn eine
Ausgleichsfunktion den Kurvenverlauf des Messergebnisses
zusätzlich "glättet".
Grundsätzliche Empfehlungen
- Vor der Anwendung von Linearisierungskurven prüfen, ob
sich eine stabile Produktion nicht auch auf anderem Wege -
etwa über eine Justierung - erreichen lässt.
- Eine Prüfung ist mit der Fogra-CtP-Testform und den
darin enthaltenen zweidimensionalen Verlaufsfeldern
durchzuführen.
- Immer eine vergleichende visuelle Prüfungen der
zweidimensionalen Verläufe an Platten mit und ohne
Linearisierungskurve vornehmen.
- Sind die Verläufe in den beiden bebilderten Platten
einwandfrei, dann sollte zumindest bei der erstmaligen Anwendung
ein vierfarbiger Kontrolldruck erfolgen, bevor die
Linearisierungskurve für Produktionsaufträge verwendet
wird.