Tipps & Tricks: Drucken mit Naturpapier
In Zeiten, in denen Glanz und Glamour auf satinierten oder
gestrichenen Papieren dominieren, bieten Druckprodukte aus
Naturpapieren ein ganz besonderes Erlebnis: Sie schmeicheln Augen
und Haut durch ihre weiche, individuelle Oberfläche. Ihre
einzigartige Wirkung entfalten sie auf Grund des großen
Volumens und Gewichts sowie der hohen Opazität. Allerdings
erfordert ihre perfekte Verarbeitung besonderes Know-how in der
Druckvorstufe und in der Produktion.
Wahl des Druckrasters
Naturpapiere mit einem hohen Anteil von Hanf, Baumwolle oder
Hadern eignen sich in der Regel nicht für feine Details oder
hochauflösende Raster. Diese Tatsache sollte bereits bei der
Konzeption des Druckproduktes bedacht werden. Um auf Nummer sicher
zu gehen, empfehlen viele Papierhersteller daher ein Mittelraster
von 54 l/cm und als maximale Rasterweite 60 l/cm. Der Grund: Mit
zunehmender Rasterweite steigt die Tonwertzunahme. Darüber
hinaus unterstützt die offene Faserstruktur von Naturpapieren
das Verlaufen der Farbe. Dies erzeugt im Vergleich zu gestrichenen
Papieren einen höheren Punktzuwachs, der beispielsweise bei
schweren Naturpapieren (ab 100 Gramm pro Quadratmeter) im 60er
Raster und Vierfarb-Druck bis zu 30 Prozent erreichen kann.
Generell gilt: Je mehr Farbe für ein Bildmotiv benötigt
wird, umso stärker läuft das Motiv im Dreiviertelton und
den Tiefen zu. Dementsprechend eignen sich nicht alle Motive, etwa
solche mit feinsten Details oder großen Farbflächen,
für den Druck auf Naturpapieren. Denn auf Grund der
heterogenen Struktur des Papiers kann beim Aufeinanderdruck gerade
größerer Flächen, beispielweise bei farbigen
Vorsätzen, ein wolkiger Eindruck entstehen. Dieses Problem
kann man jedoch durch die Verwendung von Echtfarben wie
Pantone-Volltönen lösen.
Druckvorstufe
Die obengenannten Besonderheiten wirken sich auf die Film-
oder Plattenbelichtung aus. Weil die Tonwertzunahme je nach Papier
und Druckfarbe variiert, empfiehlt es sich, nicht erst über
die Korrekturkurven in der Belichtersoftware, sondern bereits
während der Bildbearbeitung die notwendigen Tonwertkorrekturen
vorzunehmen. Besonders bei schwierigen Motiven und hohen
Qualitätsanforderungen ist ein Andruck unumgänglich.
Betriebe, die auf Film belichten, sollten hart arbeitende
Filmmaterialien verwenden, die keinen Hof um den Rasterpunkt bilden
und sich mit hoher Auf lösung belichten lassen.
Druck
Im Druck haben sich kompressible Gummitücher mit hartem
Aufzug bewährt. Experten empfehlen bei schweren Naturpapieren
einen höheren Anpressdruck als bei gestrichenen Papieren, um
beim Bilderdruck mehr Zeichnung zu erhalten. Zudem sollte man
keinen Alkohol oder andere Feuchtmittelzusätze verwenden. Der
ideale pH-Wert von Naturpapieren, die mit oxidativ trocknenden
Farben bedruckt werden, liegt bei 5,5, da saure Papiere die
Trocknungszeiten verlängern. Letztere können bei
Naturpapieren schon mal das Vierfache eines Auf lagendrucks mit
gestrichenen Papieren betragen. Daher gilt: Die bedruckten Bogen
nicht zu hoch stapeln, um das Ablegen von dunkleren Motiven oder
größeren Farbflächen auf der nächsten Seite zu
vermeiden. Darüber hinaus sollten wegen der typischen
Staubbildung sowohl Maschine als auch Farbwerke und
Gummitücher regelmäßig gesäubert werden.
Lösungen für die Praxis
Die Heidelberger Druckmaschinen AG bietet für die
"Herausforderung Naturpapier" eine Vielzahl von
Lösungen an. Beispielsweise befreit eine Saugbürste, die
vor dem ersten Druckwerk eingesetzt wird, das Papier weitestgehend
vom Papierstaub. Hochautomatisierte Saugköpfe transportieren
auch hochvolumige und schwere Naturpapiere sicher durch die
Druckmaschine. Hierzu trägt auch das CP2000 Center bei,
über das sich beispielsweise die Kennlinien für die
Luftsteuerung einstellen lassen. Zur perfekten Farbwiedergabe
tragen das Prinect Prepress Interface, das Print Color Management
zur permanenten Überwachung und Optimierung der
Druckkennlinie, Prinect Image Control für die Farbkontrolle im
gesamten Druckbild sowie spezielle Farb- und Feuchtwerke für
erhöhte Farbschichtdicken bei. Daneben sorgen UV- oder
Infrarot-Trocknungssysteme und vieles andere für hervorragende
Ergebnisse - auch und gerade bei Naturpapieren.
Druckversion
Daten & Fakten
In Zusammenarbeit mit:
FOGRA - Forschungs-
gesellschaft Druck e.V.
Georg Pantel
Streitfeldstraße 19
81673 München
Tel.: +49 (0)89 4 31 82 1 31
Fax: +49 (0)89 4 31 82 1 00
Print Media Academy
Die Print Media Academy in Heidelberg unterstützt die Druck-
und Medienbranche durch ein breitgefächertes
Weiterbildungsangebot. Sie dient als Ideen-, Trainings- und
Zukunftszentrum unter dem Motto "Lernen vonei-nander und
miteinander". Mehr