Tipps & Tricks: Geistern im Bogenoffsetdruck vermeiden
Als Geistern im Bogenoffset bezeichnet man ein Phänomen, bei
dem glänzende dunklere Areale auf sonst gleichmäßig
gefärbten Flächen mit hoher Farbbelegung auf der
Widerdruckseite sichtbar werden. Dabei geben die Geisterareale die
Form des Druckbildes der Schöndruckseite wieder.
Geistereffekte sind besonders heimtückisch, da sie erst nach
dem abgeschlossenen Druckprozess identifiziert werden können.
Geistereffekte, auch Matt-Glanz-Effekte genannt, entstehen beim
Kontakt der jeweils bedruckten Vorder- und Rückseiten
aufeinanderfolgender Bogen im Stapel. Einem Fogra-Forschungsbericht
(Nr. 50.035) zufolge resultiert diese Kontakterscheinung aus lokal
unterschiedlichen Trocknungsgeschwindigkeiten der Druckfarben. Um
eine Auflage, die von Geistereffekten betroffen ist, noch verwerten
zu können, muss eine Dispersionslackierung erfolgen. Diese
kann zwar durch eine Glanzhomogenisierung die Wahrnehmung der
Matt-Glanz-Erscheinung eliminieren, sie verursacht aber einen
zusätzlichen Kosten- und Zeitaufwand.
Faktor Papier-Druckfarben-Kombination
Am besten vermeidet man Geistern daher bereits im
Vorfeld: durch die gezielte Auswahl der
Papier-Druckfarben-Kombination. Da bestimmte Wechselwirkungen von
Druckfarben und Papieren den Geistereffekt begünstigen, ist es
ratsam, vor dem Einsatz der Materialien einen entsprechenden
Labortest durchzuführen. Hierbei werden zwei Andrucke auf
einem Probedruckgerät angefertigt. Anschließend werden
sie als Sandwich in einem Papierstapel so gelagert, dass sie
identisch mit der Anordnung von Vorder- und Rückseite
aufeinanderfolgender Bogen sind. Einer der beiden Andrucke
erhält ein Druckbild mit mehr als einer Sichtkante,
beispielsweise zwei Streifen nebeneinander, der andere Andruck
erfolgt vollflächig. Die visuelle Wahrnehmbarkeit des im
Beispiel erwähnten Doppelstreifens auf der Vollfläche
wird nach einer elfstufigen Vergleichsskala bewertet. Dabei kann
auf spezifische Einzelheiten des Druckauftrags, wie zum Beispiel
auf die Zeitspannen zwischen Schön- und Widerdruck oder
zwischen Widerdruck und Weiterverarbeitung, eingegangen werden.
Faktor Zeitintervall
Diese Zeitintervalle sind von entscheidender Bedeutung bei
der Ausbildung von Matt-Glanz-Effekten. Das bedeutet: Eine
Reduzierung des Geisterns ist durch günstige Wahl der
Zeitintervalle möglich! Denn die Zeitspanne zwischen
Schön- und Widerdruck ist entscheidend dafür, ob und,
wenn ja, in welcher Weise die Nebenprodukte der oxidativen
Druckfarbentrocknung der Schöndruckseite auf die noch
unbedruckte Widerdruckseite einwirken. Die beteiligten chemischen
Verbindungen (Aldehyde) sind flüchtig. Deshalb nimmt die
Vorkonditionierung mit zunehmender Länge des
Widerdruckintervalls ebenso ab wie das Ausmaß und die
Wahrscheinlichkeit von Geistereffekten. Praktikabler ist jedoch ein
sofortiger Widerdruck, um von vornherein eine Beeinflussung der
Papieroberfläche der Widerdruckseite auszuschließen.
Zudem sollte das Zeitintervall zwischen Widerdruck und
Weiterverarbeitung möglichst kurz sein, weil mit zunehmender
Lagerdauer der Geistereffekt deutlicher hervortritt. Hierbei ist es
jedoch erforderlich, die für eine ausreichende
Druckfarbentrocknung notwendige Zeit auf die Vermeidung von
Geistererscheinungen hin zu optimieren.
Labortest gibt Sicherheit
Die Methoden zur Vermeidung der Matt-Glanz-Effekte
während des Druckprozesses können zwar Abhilfe schaffen,
sind jedoch nicht absolut sicher. So trägt beispielsweise auch
das altbewährte Lüften der Stapel nur dann zur
Reduzierung des Geistereffektes bei, wenn es direkt nach dem
Widerdruck geschieht. Das Lüften der Stapel, nachdem sich die
Kontakterscheinung bereits ausgebildet hat, führt lediglich zu
deren Verstärkung und stellt somit keine geeignete
Maßnahme dar. Den besten Schutz gegen Geistern bietet die
zweckmäßige Auswahl der Druckfarben-Papier-Kombination.
Der Labortest kann als einzige Maßnahme gewährleisten,
dass im späteren Druckprozess kein Geistern auftritt. Die
Ergebnisse des Fogra-Forschungsberichtes haben eine sehr gute
Übereinstimmung des Labortests mit den Praxisdrucken ergeben.
Dieser Test kann bei der Fogra im Rahmen eines Gutachtens
durchgeführt werden.
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Daten & Fakten
In Zusammenarbeit mit:
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Streitfeldstraße 19
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