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Tipps & Tricks: Mehr Kontrast mit weniger Farbe

Mehr Kontrast, weniger Farbe: Das Bild oben ist mit „konventionellem“ 330-prozentigem Gesamtauftrag gedruckt, das Bild unten mit nur 270% Gesamtauftrag dank Gray Component Replacement.
Mehr Kontrast, weniger Farbe: Das Bild oben ist mit „konventionellem“ 330-prozentigem Gesamtauftrag gedruckt, das Bild unten mit nur 270% Gesamtauftrag dank Gray Component Replacement.
Sparen ist angesichts der globalen Wirtschaftslage oberstes Gebot. Daraus erwächst unter anderem die Notwendigkeit, so effizient wie möglich zu produzieren. Im Offsetdruck kann man z.B. durch einen Trick in der Vorstufe einen höheren Kontrastumfang bei geringerem Farbeinsatz realisieren.

Es klingt paradox, ist aber bei näherer Betrachtung durchaus möglich: In der Regel werden Vierfarbbilder schließlich mit bis zu 330 Prozent Flächendeckungssumme (Gesamtfarbauftrag) gedruckt, wenn das Profil ISOcoated_v2 zum Einsatz kommt. Dabei macht allein das Schwarz rund 98 Prozent Rasterton aus; darüber kommen die restlichen 232 Prozent an Buntfarben. Dass es bei einer derartigen "Sättigung" schwerfällt, die Tiefentöne noch offen zu halten, weiß jeder Drucker. Mancher hat vielleicht sogar schon mal mit seiner Maschine gehadert, anstatt die Ursachen im üppigen Farbauftrag zu suchen. Hinzu kommt: Viel Farbe führt nicht nur zu Trocknungsproblemen, sondern oft auch zu schlechtem Passer durch Papierverzug. Reagiert der Drucker mit einer Verringerung des Farbauftrags, hellen sich zwar die Tiefen auf, doch geht dabei der Bildkontrast verloren. Was nun?

Um sich aus dieser Zwickmühle zu befreien, greift man einfach zum Unbuntaufbau oder GCR (engl. Gray Component Replacement). Dabei werden die unbunten Farbanteile - also alles, was zur Verschwärzlichung der Farben führt - durch Schwarz ersetzt. Beispiel: Bei einem Grün, das zu 95 Prozent aus Gelb und 70 Prozent aus Cyan besteht, wären 20 Prozent Magenta derjenige Anteil, der den Farbton wieder neutralisiert - also unbunt macht. Denselben Farbton könnte man aber auch mit 75 Prozent Gelb, 50 Prozent Cyan und 20 Prozent Schwarz drucken. Vorteil: Der Farbauftrag verringert sich von ursprünglich 185 Prozent auf 145 Prozent.

Wer die Bilddaten seines Kunden entsprechend umrechnen will, benötigt lediglich ein passendes ICC-Profil. Sofern nicht vorhanden, kann man sich mithilfe des Prinect Profile Tools einfach eines erstellen. Dazu wird das standardmäßige ISOcoated_v2-Profil für den reduzierten Farbauftrag modifiziert - und zwar wie folgt: Zunächst verringert man in den Profileinstellungen den Gesamtfarbauftrag z.B. auf 270 Prozent. In Extremfällen (wie etwa Autoreifen, Nachtaufnahmen oder stark graubetonte Bilder) kann man eventuell weiter runtergehen. Anschließend wählt man "GCR" an und stellt dort die gewünschte Kompensation ein. Dabei haben sich 80% in der Praxis bewährt. Falls das Ergebnis damit noch nicht zufriedenstellend ist, lässt sich das Optimum anhand einmaliger Drucktests mit verschiedenen Einstellungen schnell ermitteln. Anschließend bindet man ein solches ICC-Profil in den Workflow ein. Übrigens ist das Heidelberg Workflow-System Prinect Prepress Manager dafür bereits ausgerüstet; eine zusätzliche Softwareinvestition also nicht erforderlich.

Wer seine Kundendaten nicht ändern mag oder darf, kann sich alternativ ein sogenanntes "Device-Link-Profil" erzeugen. Dabei ist es nur wichtig, dass die gelieferten Daten immer dem Farbraum entsprechen, der vom Device-Link- Profil erwartet wird. Im obigen Beispiel sendet der Auftraggeber seine Bilder im ISOcoated- Farbraum mit 330 Prozent Flächendeckung. Sobald die Daten den Prinect Workflow passieren, werden sie automatisch auf 270 Prozent Flächendeckung gesetzt - ohne dass die Original- Kundendaten angetastet werden.

Unter dem Strich lässt sich mit dieser Technik zwar durchaus (Bunt-)Farbe sparen, die weitaus größeren Einsparpotenziale realisiert der Offsetdrucker mit seinen vielen Jobwechseln aber an ganz anderer Stelle: So gestaltet sich das Einrichten der Druckmaschine viel leichter. Der Passer wird schneller erreicht, weniger Puder verbraucht, das Ablegen vermindert und die Farbannahme verbessert. Wer eine Hochleistungs- Wendemaschine wie die Speedmaster XL 75-P oder XL 105-P sein Eigen nennt, profitiert vom bestmöglichen Transport über die Jackets bei der Wendung und im Widerdruck. Was konventionell noch zweimal geradeaus gedruckt werden musste, lässt sich mit reduziertem Farbauftrag und GCR mühelos in der halben Zeit fertigstellen. Nicht zuletzt läuft auch die Weiterverarbeitung so reibungslos wie möglich, weil Sammelhefter und Falzmaschinen nicht mehr so schnell verschmutzen.

Übrigens: Auch mit einem modifizierten ISOcoated- Profil wird der Standard ISO 12647-2 eingehalten, da die im Profil enthaltenen Charakterisierungsdaten nicht verändert werden. Man schlägt also zwei Fliegen mit einer Klappe, wenn man mit weniger Farbe mehr Kontrast realisiert und dabei dennoch ISO-konform druckt: Dem Drucker macht's das Arbeitsleben leichter, dem Druckereikunden gefällt die höhere Bildqualität.

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