Kleine Körnchen mit großer Wirkung
Bestäubungsmittel sollen für einen gewissen Abstand
zwischen den frisch bedruckten Bogen sorgen, damit die Bogen nicht
ablegen und ggf. etwas schneller trocknen. Außerdem soll der
Puder das Gleitverhalten des Bedruckstoffs im Ausleger und in der
Weiterverarbeitung verbessern. Aber welche mikroskopisch kleinen
Puder-Körnchen nutzt man für welche Anwendung?
Prinzipiell lassen sich drei Puderarten unterscheiden. Es
gibt Bestäubungsmittel aus Kalziumkarbonat, auf Zuckerbasis
oder Puder aus natürlicher Stärke. Für alle gilt: Je
gleichmäßiger die Korngröße, desto besser der
Puder. Der Kalziumkarbonat-Puder hat ein vergleichsweise hohes
Gewicht, ist verhältnismäßig staubarm und
unempfindlich gegen statische Aufladung beim
Bestäubungsprozess. Allerdings empfiehlt es sich, eine
oberflächenbehandelte Variante dieses Puders zu verwenden, da
unbehandeltes Kalziumkarbonat durch seine Form und Härte wie
Schmiergelpapier wirken kann - auf den Druckbogen, die Druckplatte
oder auf Maschinenkomponenten.
Außerdem neigt er beim Widerdruck dazu, sich auf den
Gummitüchern aufzubauen. Puder auf Zuckerbasis hingegen wird
durch das Feuchtmittel angelöst, baut sich auf dem Gummituch
also kaum auf und ist deshalb gut für mehrere Durchgänge
geeignet. Nachteil: Er reagiert stark auf Wärme; darf also
nicht mit Trocknern verwendet werden. Zudem verträgt sich der
Zuckerpuder nicht mit Wasserlacken. Der Stärkepuder bringt von
Natur aus die "kugeligste" Körnchenform mit; weist deshalb ein
gutes Fließverhalten auf und ist somit besonders Maschinen
schonend. Für perfekte Ergebnisse sorgt ein
Puderauftragssystem mit Entelektrisierungseinrichtung. Speziell
für Wasserlacke gibt es auch eine Wasser abweisende Sonderform
des Stärkepuders, doch ist diese nicht für mehrere
Druckgänge brauchbar. Außerdem ist zu beachten:
Hydrophober Stärkepuder verträgt sich nicht mit
Veredelungen wie Lackierung, Kaschierung oder
Heißfolienprägung!
Grundsätzlich lässt sich festhalten, dass man den
Puder genau auf den jeweiligen Druckjob abstimmen sollte. Das gilt
auch für die Korngröße des Bestäubungsmittels,
welche wesentlich vom Drucksujet und den jeweiligen
Flächendeckungssummen abhängig ist. Zur groben
Orientierung: Bei Druckaufträgen mit Grammaturen zwischen 70
und 250 g/m2 reichen in der Regel 20 bis 25 Mikrometer problemlos
aus. Bei höheren Grammaturen oder Bedruckstoffen mit rauer
Oberfläche kommen Körnungen von 35 Mikrometern oder auch
mehr in Betracht.
Nach der Wahl des richtigen Puders gilt es, so viel wie
nötig, aber so wenig wie möglich davon aufs Papier zu
bringen. Dafür sorgen Pudergeräte, die eine
anspruchsvolle Aufgabe haben: Während der Bogen durch den
Ausleger flitzt, ist er von einem "Luftkissen" umgeben - der
Laminarströmung. Dieses Luftkissen muss der Puderstrahl nun
regelrecht durchschlagen; und zwar möglichst
gleichmäßig.
Ob das Pudergerät ordnungsgemäß funktioniert,
kann man mit Hilfe der Testfunktion und einem schwarzen Bogen unter
dem Puderapparat überprüfen: Weist der Bogen nach dem
Testauftrag eine unregelmäßige Puderverteilung auf,
sollte man Puderdüsen und Zuleitungen auf Verstopfungen
prüfen. Vielleicht liegt's aber auch an zu starken
Luftströmen (und damit Verwirbelungen) im Ausleger. Stellt man
Abschmieren oder Ablegen fest, wird vermutlich nicht genug Puder
aufgetragen. Sind alle Düsen bzw. Zuleitungen frei und
sämtliche Einstellungen (z. B. Pudermenge, Papierformat)
korrekt, könnte sich auch der Bedruckstoff elektrostatisch
aufgeladen haben und den Puder abstoßen. Dem kann man durch
eine relative Drucksaal-Luftfeuchtigkeit von 50 bis 58 Prozent
entgegenwirken.
Machen sich im Druckbild nach dem Umschlagen und dem zweiten
Durchgang z. B. Streifen in Abwicklungsrichtung bemerkbar, sieht
man "Abdrücke" der Hubsauger im Drucksujet oder taucht eine
gewisse Wolkigkeit in Rastern auf, ist womöglich zu viel Puder
aufgetragen worden. Das könnte daran liegen, dass man eine zu
kleine Korngröße gewählt hat. Puderkometen oder
Nester deuten auf jeden Fall darauf hin, dass der Ausleger samt
Ablageluftsystem gereinigt werden muss: Zum Abstauben von
Stärke- oder Kalziumkarbonatpuder kann man leere Druckwerke
ohne Feuchtung kurz auf "Druck" mitlaufen lassen, bei Puder auf
Zuckerbasis muss die Feuchtung angestellt sein.
Punkte oder Kratzer im Druckbild können auf eine zu
große bzw. "scharfkantige" Körnung hinweisen. Liegen die
Auslagestapel nicht gleichmäßig plan, sollte man die
Synchronisation des Puderapparates checken. Wer über das
Prinect Press Center verfügt, kann die Einstellungen für
den Einsatzzeitpunkt und die Dauer des Puderns leicht justieren. Um
Qualität und Effizienz der Druckproduktion auch bei hohen
Geschwindigkeiten sicherzustellen, ist die Verwendung eines
zertifizierten Puders ratsam. Heidelberg empfiehlt die
stärkebasierten Puder Saphira Powder Pro 100-20 bzw. Powder
Pro 100-35, die sich durch eine besonders gleichmäßige
Körnung auszeichnen. Zudem sind sie perfekt auf den Einsatz in
Heidelbergs hocheffizienten PowderStar-Geräten abgestimmt.
Zusammen sorgen Saphira-Puder und Powder- Star für eine
Reduzierung der eingesetzten Pudermenge, geringere Verschmutzungen
im Ausleger, ein besseres Raumklima und weniger Verschleiß von
Druckmaschine und Peripherie.
Druckversion
Print Media Academy
Die Print Media Academy in Heidelberg unterstützt die Druck-
und Medienbranche durch ein breitgefächertes
Weiterbildungsangebot. Sie dient als Ideen-, Trainings- und
Zukunftszentrum unter dem Motto "Lernen vonei-nander und
miteinander". Mehr