Tipps & Tricks: Einflussfaktor mit Reinheitsgebot
Feuchtmittel im Offsetdruck // Seit Jahrhunderten sorgt das
so genannte "Reinheitsgebot" für die herausragende
Qualität von deutschem Bier. Einem solchen Gebot sollte im
Offsetdruck auch das Feuchtmittel folgen - vor allem dann, wenn man
alkoholreduziert oder gar alkoholfrei drucken will.
Als Einflussfaktor bezüglich der Druckqualität wird
das Feuchtmittel häufig unterschätzt. Dabei spielt es
neben Druckplatte, Gummituch und Farbe eine maßgebliche Rolle:
Nur durch das optimale Zusammenspiel all dieser Komponenten
lässt sich ein perfektes Ergebnis erzielen. Ergo sollte man
beim "Brauen" des Feuchtmittels - speziell für
alkoholreduzierte beziehungsweise alkoholfreie Druckjobs - auch
besondere Sorgfalt walten lassen.
Die Basis für das Prozesswasser stammt in der Regel aus
dem Wasserhahn. Liegt der Härtegrad des Leitungswassers
ständig im Bereich zwischen 8°dH und 12°dH
(entspricht ca. 1,5 - 2,5 Millimol Kalziumkarbonat pro Liter),
verfügt man bereits über eine perfekte Grundlage. Werden
diese Werte nicht erreicht, sollte das Wasser aufbereitet werden.
Die effektivste Lösung dafür ist eine
Umkehr-Osmose-Anlage, die das Leitungswasser zunächst entsalzt
und danach passgenau wieder "aufhärtet". In jedem Fall
empfiehlt sich, den Härtegrad z. B. mithilfe von Teststreifen
permanent im Blick zu behalten: Zu weiches Wasser führt im
Druck oft zum Emulgieren, während hartes Wasser Farbwalzen und
Gummitücher durch Kalkablagerungen beschädigen kann.
Neben dem Härtegrad spielt auch der pHWert des
Prozesswassers eine wichtige Rolle: Ist das Wasser zu sauer, dauert
z. B. die Trocknung unnötig lange. Ist es zu basisch,
verschlechtert sich u.a. das Freilaufverhalten der Platte. Dem
wirken Feuchtmittelzusätze entgegen: Richtig eingesetzt sorgen
sie für einen konstanten pHWert zwischen 4,8 und 5,3. Dieses
"Fenster" hat sich bewährt. Es stellt die beste Balance
zwischen Vor- und Nachteilen her.
Um Benetzungstempo und Fließfähigkeit des
Feuchtmittels zu erhöhen, setzt man oft den Alkohol
Isopropanol (IPA) ein. Im "Normalfall" macht er 8 bis 10 Prozent
des Feuchtmittels aus. Will man alkoholreduziert drucken und
dadurch Emissionen senken, empfehlen sich 3 bis 5 Volumenprozent.
Den IPA-Gehalt kann man z. B. per Alcosmart in Heidelbergs
CombiStar bestimmen. Dabei ist zu beachten: Weniger Alkohol
bedeutet höhere Oberflächenspannung und geringere
Viskosität. Das heißt: Bei gleicher
Feuchtwerkseinstellung gelangt weniger Feuchtmittel zur Druckplatte
als bei höherem IPA-Anteil. Um dieses Manko auszugleichen,
muss das Tempo der Tauchwalze erhöht werden. In welchem Umfang
dies erforderlich ist, lässt sich durch eine spezielle
Farbwerk- und Feuchtekontrolltestform von Heidelberg ermitteln.
Die Qualität des Feuchtmittels selbst kann man mithilfe
eines Universalprüfgeräts checken. Dieses Gerät
misst neben dem pH-Wert und der Temperatur oft auch den Leitwert,
welcher u.a. Aufschluss über Verunreinigungen gibt. Zur
Orientierung: Sobald der Leitwert um ca. 800 Microsiemens pro
Zentimeter über der Messung des "frisch angesetzten"
Feuchtmittels liegt, sollte man über einen Austausch
nachdenken. Verpasst man den richtigen Zeitpunkt, stellt man im
Druck womöglich ein Zulaufen der Platte fest und erhöht
reflexartig die Wasserzufuhr. Das hat letztlich aber nur zur Folge,
dass das durch Papier- oder Farbreste verschmutzte Feuchtmittel
irgendwann komplett "kippt" und dadurch eine stabile Emulsion im
Druckprozess nicht mehr möglich ist. Ähnliche
Konsequenzen kann auch eine zu hohe Temperatur des Feuchtmittels
haben: Sie sollte stets zwischen 10 und 14 Grad Celsius liegen.
Peripheriegeräte von Heidelberg helfen dabei,
sämtliche Parameter im Blick zu behalten. Außerdem sind
CombiStar oder FilterStar wahre "Wächter des Reinheitsgebots"
und sorgen so über einen langen Zeitraum für sauberes
Feuchtmittel ohne Austausch. Durch eine konstantere
Farb-Wasser-Balance erleichtern sie das alkoholreduzierte bzw.
-freie Drucken erheblich - vor allem im Zusammenspiel mit
zertifizierten Feuchtmittelzusätzen aus dem
Saphira-Produktportfolio von Heidelberg. Alle geeigneten
Saphira-Feuchtmittelzusätze können der FOGRA-Liste
entnommen werden.
Druckversion
Print Media Academy
Die Print Media Academy in Heidelberg unterstützt die Druck-
und Medienbranche durch ein breitgefächertes
Weiterbildungsangebot. Sie dient als Ideen-, Trainings- und
Zukunftszentrum unter dem Motto "Lernen vonei-nander und
miteinander". Mehr