Tipps & Tricks: Lack statt Lederhaut
Meistens das Ergebnis von zu hoher Temperatur bei zu geringer Geschwindigkeit bzw. Lackmenge: das „Krakulieren“ mit spinnengewebeartiger Rissbildung.
Wer in die Veredelung von Printprodukten einsteigt, tastet sich
meist über Öldrucklacke an Dispersionslackierungen heran.
Wirklich simpel ist die Sache aber nicht: Damit der Dispersionslack
am Ende nicht wie rissige "Lederhaut" aussieht, gilt es, im Vorfeld
einiges zu beachten.
Dispersionslacke bestehen überwiegend aus Wasser (zu
mindestens 45 %). Den zweitgrößten Anteil bilden
Styrolacrylate (mit/ohne Pigment), die den beabsichtigten Effekt
erzeugen. Hinzu kommen Bestandteile, die u.a. für eine stabile
Dispersion sorgen und Eigenschaften wie Oberflächenspannung
oder Scheuerfestigkeit bestimmen. Trocknet das Wasser ab,
verschmelzen die übrigen Bestandteile zu einem Film. Einem
Film, der geruchsfrei ist, praktisch nicht vergilbt und sich zur
Veredelung von Luxusdrucksachen ebenso eignet wie für
Tiefkühlverpackungen - Scheuerschutz inklusive. Außerdem
kann man Puder sparen, die volle Stapelhöhe ausnutzen und dank
des schnellen Abbindens flott weiterverarbeiten.
Wer derartige Vorteile nutzen will, muss unbedingt die
Lack-Auftragsmenge im Auge behalten. Zu diesem Zweck prüft man
mit einem DIN-Auslaufbecher (ISO 2431) die Auslaufzeit des Lacks.
Dabei muss der Lackzustand präzise den Herstellervorgaben
entsprechen (Lagerhaltung, Verwendungszweck,
Verarbeitungstemperatur, Emulgierung etc.). Auch muss der Lack
richtig aufgerührt werden. Lässt man all diese Vorgaben
außer Acht, wird eine verfälschte Auslaufzeit ermittelt -
mit der Folge, dass man fehlerhafte Kennlinien erstellt und der
tempoabhängige Lackauftrag zum Glücksspiel mutiert.
Exaktes und regelmäßiges Messen ist insbesondere
beim Einsatz von Zwei-Walzen-Systemen empfehlenswert, da hier
größere Schwankungen auftreten können als bei
Kammerrakelsystemen. Zu wenig Lack oder zu hohes Tempo führen
beispielsweise zu rissiger Lackschicht oder zum Farbaufbau auf der
Lackform. Zu viel Lack macht sich unter anderem durch
Quetschränder, Schlieren oder Papierverzug bemerkbar.
Anwender des Kammerrakelsystems haben es leichter, weil hier
eine lasergravierte Rasterwalze für eine weitgehend konstante
Auftragsmenge sorgt. Deshalb ist dieses System auch für den
Auftrag von Iriodinen und die Lackierung feiner Schriften oder
Zeichnungen besser geeignet. Für beide Systeme gilt
allerdings, dass man sich an den optimalen Anpressdruck zwischen
Dosier- bzw. Rasterwalze und Lackplatte herantasten sollte: Ist der
Druck zu stark, werden unter anderem Details zerstört oder
Quetschränder hervorgerufen. Ist er zu schwach, wird der
Lackübertrag beeinträchtigt.
Um einen möglichst gleichmäßigen Auftrag zu
erzielen, sollte man beim Zwei-Walzen-System den Spalt zwischen
Tauch- und Dosierwalze über die gesamte Breite optimal
einstellen. Beim Kammerrakelsystem gilt das analog für die
Beistellung der Kammer zur Rasterwalze. Wichtig für ein
perfektes Lackierergebnis ist nicht zuletzt die richtige Trocknung
der Dispersionslacke. Weil die Lacke nur durch Verdunstung
trocknen, erfordern sie eine passende Kombination aus
Infrarot-Trocknerleistung und Heißluftanteil. Bringt man
insgesamt zu viel Wärme ein, kann die Farbschicht
nachträglich "aufweichen" und dadurch den Stapel verblocken.
Gängigstes Fehlerbild für zu hohen Temperatureintrag bei
zu geringer Geschwindigkeit beziehungsweise Lackmenge ist jedoch
das "Krakulieren", eine spinnengewebeartige Rissbildung im
Lackfilm, die an eine "Lederhaut" erinnert. Ist die Infrarot-
und/oder Heißluftleistung zu gering für die gewählte
Produktionsgeschwindigkeit, Auftragsmenge etc., kann der noch
feuchte Lack die Bogen verkleben. Ähnliches könnte aber
auch daraus resultieren, dass im Ausleger nicht genügend
feuchte Luft abgesaugt wird!
Faustregel: Die Stapeltemperatur im Ausleger sollte 8 bis 10
Grad Celsius (Papier) bzw. 10 bis 15 Grad (Karton) höher sein
als im Anleger. Das lässt sich gut per Stechhygrometer mit
Temperaturanzeige überprüfen. Da das Optimum der
Stapeltemperatur allerdings von zahlreichen Faktoren abhängt
(spezifischen Lackeigenschaften, klimatischen Bedingungen,
Auslegertyp usw.), tut man im Zweifel gut daran, sich von einem
Anwendungstechniker beraten zu lassen.
Heidelberg empfiehlt grundsätzlich, Lacke aus dem
umfangreichen Saphira-Sortiment zu verwenden, weil diese Produkte
perfekt auf den Einsatz in Speedmaster-Maschinen abgestimmt sind.
Das gilt von einfachen Funktionslacken über attraktive
Effektlacke bis hin zu speziellen Performance Kits für
bestechende Qualität bei höchstem Produktionstempo -
beidseitiges Inline-Lackieren inbegriffen.
Info
Die beschriebenen Produkte sind möglicherweise nicht
in allen Märkten erhältlich. Nähere Auskünfte
erteilen die lokalen Ansprechpartner von Heidelberg.
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